Obdach-Fertig-Los e.V.
Über uns

Jeden Dienstagabend treffen wir uns im Gemeinde-haus der St.-Peter-Kirche in Hamburg Groß-Borstel.

Bevor wir anfangen zu proben, setzen wir uns alle erst mal an einen großen Tisch, und jeder kann sich ein paar Brote schmieren - Wurst, Käse, Fleischsalat. Und während wir essen, machen wir unsere "Is was?"-Runde. Und die geht so: Eine kleine Plastikente geht reihum. Und wer sie in der Hand hat, darf erzählen, was er in der letzten Woche erlebt hat: endlich beim Zahnarzt gewesen, Wohnung in Aussicht, immer noch keine Arbeit gefunden, Ärger mit dem Sozialamt gehabt usw. Und manchmal geben wir uns dabei auch gegenseitig Tipps.

Erst nach dem Essen beginnen wir zu proben.

Wer bei uns mitmachen will, braucht keine Referenzen. Ob jemand mal im Knast gesessen hat oder auf der Straße lebt oder Unterschlupf in einem Männerwohnheim gefunden hat: Das spielt bei uns keine Rolle - schon deswegen nicht, weil die meisten von uns mal ganz unten waren und einige immer noch dabei sind, Ordnung in ihr Leben zu bringen.

Bei uns gibt es Leute, die mal fürchterlich gesoffen haben, die ihre Wohnung verzockt haben, die auf der Straße geschlafen haben. Ein paar von uns sind noch immer wohnungslos. 

Aber wir wollen kein Mitleid. Das haben viele von uns auch gar nicht verdient für den Mist, den wir in unserem Leben schon verzapft haben. Andererseits aber gibt es bei uns einige, deren bisheriges Leben von grausamer Härte geprägt war, ohne dass sie auch nur im Geringsten daran schuld waren. Die Verhältnisse und die Kindheit sind nicht immer so schön wie in der Nutella-Werbung.

Es gibt Menschen, die haben in ihrem Leben fast nie Verständnis, fast nie Anerkennung erfahren. Von Zuneigung oder gar Liebe ganz zu schweigen.

Und was meinen Sie, wie sich so ein Mensch fühlt, wenn er endlich eine Rolle spielt, auch auf der Bühne eine Rolle spielt und wenn ihm dann nach einer gelungenen Aufführung  auf die Schulter geklopft und gesagt wird: "Junge, du warst phantastisch!" Das hat er vielleicht noch nie in seinem Leben zu hören bekommen. So kann auch auf diese Weise das Selbstwertgefühl wachsen, das Selbstbewusstsein größer werden. Und das ist dann der erste kleine Schritt in ein besseres Leben.

Nun, das hört sich ja alles sehr schön an.  Aber das Leben auf der Straße hinterlässt Spuren,  hinterlässt Narben - Narben, die vielleicht niemals heilen und die es einem Menschen ungeheuer schwer machen, den Weg zu finden zu einem normalen Leben. Der Weg dahin - manch einem gelingt er nie.

Um all diese Dinge geht es bei Obdach-Fertig-Los, sowohl in der Gruppe als auch in unseren Theater-stücken. Die schreiben wir alle selbst. Dann werden sie viele Monate geprobt. Und dann führen wir sie auf: in der FABRIK in Hamburg und im SPEICHER in Husum, im Knast von Uelzen und im Schloss von Eutin, im Kellergewölbe des Michels und in vielen anderen Hamburger Kirchen und, und, und ...

 

 

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